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Nachtbetrieb
Die Ehepaare Lewinski und Turko aus Polen zeigen erstmalig ihre kombinierte Modellbahnanlage im Nachtbetrieb. Die Anlage spielt in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und ist in der Nähe von Danzig angesiedelt. Neben einem mehrgleisigen Durchgangsbahnhof „Stacja Zielona“ sind auch noch eine eingleisige Nebenbahn und eine Schmalspurstrecke zu sehen. Diese durchzogen zu jener Zeit noch das stille, weite Land Polens. Man könnte meinen, man sei in der Kaschubei. Vorbei geht es an Kiefernwäldern, Kartoffeläckern, idyllischen Dörfern und Kirchen.
Absolute Spitzenklasse ist die H0-Anlage „La Bosse“ des Clubs Ferroviaire de Franche-Comté (CFFC 39) aus Pontarlier (nahe der Schweizer Grenze). Thema der Anlage sind verschiedene Abschnitte der eingleisigen Bahnstrecke Lons-le-Saunier - Pontarlier - Neuchâtel (CH) im Bereich des französischen Jura. Einzelne Bereiche der Strecke sind in Form von ausgeleuchteten Guckkästen extremst detailliert nachgebaut. Da diese meist mehrere Kilometer auseinander liegen, werden sie mit „Black Boxen“ verbunden. In einer dieser Boxen ist ein Bildschirm eingebaut, auf dem eine Führerstandsmitfahrt auf den Originalstreckenabschnitten zu sehen ist. Neuestes und größtes Anlagenteil ist der Bahnhof „Mesnay-Arbois“ mit der exakten Nachbildung des dortigen Unterwerks zur Stromversorgung der 25-kV-Oberleitung. Ein Feinmechaniker hat sämtliche Teile des Unterwerks (Strommasten, Trafos, Isolatoren …) nach Originalzeichnungen exakt im Maßstab nachgebaut. Das ist Modellbaukunst auf höchstem Niveau!
Ab 1908-1925 gab es die Möglichkeit mit einer Schmalspurbahn den ehemalige Vulkan Puy de Dome in der Nähe von Clermond-Ferrand hoch zu fahren. Die Strecke ähnelt der Brockenbahn. Die Lokomotive hatte Neigungen bis zu 13% zu bewältigen. Deswegen entschied man sich für das System Hanscotte zur Erhöhung der Adhäsion; dieses System hat sich nicht durchgesetzt. Diese Anlage zeigt einen kleinen Teil der Steilstrecke mit diesem System. Vom Platz Lamartine in Clermond-Ferrand zieht die Lok durch das Land der Auvergne zum Dorf La Baraque, wo die Steilstrecke anfängt. Mühsam fährt die Lok mit wenigen Wagen hoch. Die Anlage hat den exotischen Maßstab S (1:64) und ist Meterspur. Die Dampflokomotiven sind umgebaut aus H0 Diesellokomotiven; die Wagen sind alle Selbstbauten. Auch die Gebäude sind im Selbstbau entstanden und die meisten haben konkrete Vorbilder in der Auvergne (nicht unbedingt im Ort La Baraque).
Schiffsbrücke Speyer
Mit einem Staatsvertrag einigten sich 1862 das Großherzogtum Baden und das Königreich Bayern auf die Errichtung einer Schiffbrücke für den Straßenverkehr bei Speyer. Das Bauwerk wurde 1866 in Betrieb genommen. Bis 1873 wurde die Schiffbrücke in eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke umgebaut.
Das Bauwerk musste mehrmals täglich für den Personenzug der Bahnstrecke Heidelberg - Speyer zusammen- und anschließend wieder auseinander gefahren werden, damit der Schiffsverkehr auf dem Fluss passieren konnte.
Auf der Suche nach einem nicht-trivialen Thema wurde Pierre Orbons inspiriert durch diese "Schiffsbrücke" und erstellte eine Modelbahn, wo er dieser Übergang über den Rhein auf eine idyllische Weise geprägt hat.
Eine Anlage mit musealem Schwerpunkt bieten die Modellbahner von Mittelschmalkalden den Besuchern der IMB. Sie bauten den Endbahnhof „Fladungen“ in der Rhön exakt im Maßstab 1:87 nach. Dieser Bahnhof war seiner Zeit die nördlichste Endstation der Königlich Bayrischen Staatseisenbahn. Diese Anlage ist in der Epoche 3 angesiedelt. Lässt sich doch hier die größte Vielfalt von Bahnfahrzeugen einsetzen. Neben den Baureihen 50 und 86 ist auch noch die GtL 4/4 im Einsatz und für Franken auch die eher untypische T 18 (Baureihe 78). Zu dem entstanden alle Gebäude im Selbstbau, da es kein Haus von industrieller Seite zu kaufen gab. Die Anlage hatte eine Bauzeit von nur 6 Monaten.
Skandinavische Impressionen
Wer kennt es nicht, das Modellbau-Team Köln. „Skandinavische Impressionen“ heißt die nagelneue Anlage, die diese Gruppe im Jahr 2012 mit nach Dortmund bringt. Hierbei handelt es sich um eine H0-Anlage mit einer Länge von 10 m bei einer Tiefe von 3 m. Mittelpunkt ist ein 7-gleisiger Trennungsbahnhof nach einem Vorbild in Norwegen. Auf der linken Seite ist ein landwirtschaftlicher Bereich mit Rapsfeldern und reichlich Mischwald. Auf der rechen Seite ist eine große Papierfabrik, die das Holz zur Verarbeitung über Straße, Schiene und Schiff erhält. Ein großer Industriehafen stellt den Zugang zum Meer her. Der Industriehafen ist durch einen bewaldeten Felsen vom alten Fischereihafen getrennt. Es verkehren Züge der norwegischen und schwedischen Staatsbahnen.
Alle in Dortmund vertretenen Anlagen hier aufzuzählen würde den Rahmen des Berichtes sprengen. Seien sie jedoch versichert, dass jede Anlage ein Kleinod darstellt.
Einen zentralen Mittelpunkt stellt wieder das Cafe „Lokschuppen“ in der Hallenmitte dar. An der Rückseite des Schuppens steht eine Anlage des Projekts „4 Schulen in Deutschland bauen eine Modellbahnanlage“. Betreut wird die Anlage von den Schülerinnen und Schülern der Modellbahn-AG des Heinrich-von-Kleist-Gymnasium Bochum. Rechts und links von der Anlage finden verschiedene Workshops mit und für Jugendliche statt.
Auf dem Areal des Lokschuppens finden täglich bis zu 9 Seminare zum Thema Modelleisenbahn statt. Beherrschendes Thema sind die Vorträge „Digitales Steuern“.
Zum Schluss darf ich Sie alle auffordern, kommen Sie zur 34. INTERMODELLBAU und lassen Sie sich das Top Event des Jahres 2012 in Sachen Modellbahn nicht entgehen. Was Ihnen Dortmund in diesem Jahr bietet, werden Sie auf keiner weiteren deutschen Ausstellung erleben.
Wer allerdings die Ausstellung nicht persönlich besuchen kann, für den berichten wir täglich an allen Ausstellungstagen live im Internet. Hier informieren wir Sie über alles Aktuelle der Ausstellung und natürlich über die schönsten Modellbahn-Anlagen.
Wir sehen uns in Dortmund!
Text : Karl-Friedrich Ebe
Fotos : Aussteller, Ed Hendrickx
Hier geht es direkt zum Messebericht
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