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MOBA – Jahreshauptversammlung 2010
in der Landesgartenschaustadt Hemer/Sauerland

sagen die Mitglieder der Straßenbahnfreunde Hemer, die der MOBA für die Ausrichtung der diesjährigen Jahreshauptversammlung 2010 gewinnen konnte. Doch lassen Sie uns zunächst über den Austragungsort Hemer berichten.

Geografie

Hemer liegt an der Oese, bzw. am Hemer Bach, in einer von ausgedehnten Wäldern bestimmten Mittelgebirgslandschaft im Nordwesten des Sauerlandes. Der höchste Punkt im Stadtgebiet, mit 550 m ist der Balver Wald, wogegen der niedrigste Punkt an der Edelburg mit 160 m über dem Meeresspiegel liegt. Nahe dem Ortsteil Deilinghofen befindet sich das Naturschutzgebiet "Felsenmeer".

Hemer gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Neben dem Schiefer gibt es Kalkstein in reichem Maße. Die längste Nord–Süd Ausdehnung beträgt etwa 11,3 km, in West – Ost Richtung liegt sie bei ca. 8,1 km.

Stadtgeschichte

Es wird angenommen, dass schon seit 80.000 v. Chr. Menschen, vor allem Sammler durch Hemersches Gebiet zogen. Zwischen 600 und 100 v. Chr. war das Gebiet von keltischer Kultur geprägt. Danach siedelten germanische Stämme im Gebiet des heutigen Hemers. Als Hademare (wasserreicher Ort) wurde Hemer erstmals im Jahr 1072, in einem Schriftstück des Kloster Grafschaft des Erzbischofs von Köln urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit bestand die Siedlung Hademare aus zwei Höfen und einer Kirche. Seit 1350 gehörte es zur Grafschaft Mark und war Grenzort zum kurkölnischen Territorium was Rittersitze und die Burg Klusenstein erklärt. Die Siedlung hieß nun Hedemer, aus dem 1538 erstmals Hemer wurde.

Zwischen 1616 und 1626 wütete viermal die Pest in Hemer. 1841 wurde das Amt Hemer eingerichtet, das die Gemeinden Becke, Brockhausen, Calle, Deilinghofen, Evingsen, Frönsberg, Ihmert, Kesbern, Landhausen, Lössel, Nieder- und Oberhemer, Sundwig und Westig umfasste.

1867 wurde die gemeinsame Amtssparkasse und das Amtskrankenhaus eröffnet. Am 1. April 1910 wurden Nieder- und Oberhemer zur Gemeinde Hemer zusammengefasst, zum 1. August 1929 kamen die gemeinden Sundwig, Westig und Landhausen dazu. Das Stadtrecht erhielt die Gemeinde Hemer am 30. Januar 1936.

Ab 1934 wurde Hemer mit dem Bau einer Kaserne sowie eines Krankenhauses (Lazarett) zur Garnisonsstadt. Nach dem Kriegsausbruch 1939 wurde die, stellenweise noch im Rohbau befindliche Kaserne, in ein Kriegsgefangenenlager Stalag VI A umgewandelt. Nachdem die Alliierten den Ruhrkessel geschlossen hatten verfügte Deilinghofen noch den einzigen intakten Feldflughafen im östlichen Ruhrkessel. Nach dem 2. Weltkrieg folgte die belgische Besatzung. Anfang der 1950er Jahren erfolgte auf dem militärischen Übungsplatz in Deilinghofen der Bau einer neuen Kaserne für kanadische Soldaten. Eishockey – die Soldaten pflegten ihren Nationalsport, an dem auch die örtliche Bevölkerung gefallen hatte. So entstand am 28. Februar 1959 der über Deilinghofen hinaus bekannte "Eishockeyclub Deilinghofen" (ECD), heute "Iserlohn Roosters". Am 1. Januar 1975 wurden im Rahmen der Gebietsreform die bisher noch eigenständigen Amtsgemeinden Becke, Deilinghofen, Frönsberg und Ihmert mit der Stadt vereint und die Ämter aufgelöst.

Zwischen den Ortsteilen Sundwig und Deilinghofen liegt das "Felsenmeer". Hier wurde bereits vor rund tausend Jahren Eisenstein abgebaut und in den nahegelegenen Hütten oder in einfachen "Rennfeuern" eingeschmolzen.

Als Nachbarstädte sind im Westen Iserlohn, im Norden Menden, im Osten Balve und im Süden Altena und Neuenrade zu verzeichnen.

Wirtschaft

Durch Bodenschätze wie Eisenstein und Galmei, viel Brennholz aus den großen Waldgebieten und die Wasserkraft der Bäche entstand in Hemer schon früh die bis heute wichtige Metall verarbeitende Industrie. Die ersten Papier- und Fingerhutmühlen und Hochöfen Westfalens wurden hier errichtet. Heute sind hier kleine und mittelständige Unternehmen beheimatet. Typische Produkte aus Hemer sind Draht, Armaturen und Badausstattungen, Messingerzeugnisse, Kunststoffteile und Spezialmaschinen.

Verkehrslage

Hemer erreicht man über die A46 Hagen–Iserlohn und die B7 Iserlohn–Menden. Als wichtige West–Ost Verbindung dient die L682 zwischen der B7 und der kurz hinter der Stadtgrenze im Hönnetal verlaufende B515.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war neben der Eisenbahn, die Straßenbahn das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel in Hemer. 1908 wurde die Gemeinde Calle an die Linie Hohenlimburg – Iserlohn angeschlossen. Ein Jahr später folgte der Ausbau über Westig bis zum Amtshaus. 1911 erhielt Niederhemer und 1912 Höcklingsen in der Gemeinde Becke einen Anschluss. Über Sundwig führte eine Abzweigung ab 1913 bis nach Deilinghofen.

Eine Kleinbahnstrecke zwischen Westig und Evingsen komplettierte das Hemeraner Schienennetz. 1913 wurde der Streckenteil bis Ihmert in Betrieb genommen, vier Jahre später folgte die Verbindung bis Evingsen. Als nach dem ersten Weltkrieg die Strecke bis Altena verlängert wurde, bestand erstmals eine Schienenverbindung zwischen dem Lennetal und Hemer. Besonders die Drahtindustrie im Ihmerter Tal profitierte von dieser Anbindung an das Schienennetz, wurden dadurch ihre Transportkosten wesentlich geringer. 1933 wurde das Teilstück zwischen Ihmert und Evingsen wieder eingestellt. Da die Brücke zwischen Westig und Iserlohn durch die Kriegswirren zerstört war, fuhr nach dem 2. Weltkrieg in Hemer mit Unterbrechungen zwei Jahre lang keine Straßenbahnen. Stattdessen setzte die Iserlohner Kreisbahn, die bis 1942 Westfälische Kleinbahn hieß, Busse ein. Ab September 1948 fuhr die Straßenbahn wieder, doch wurden die Strecken nach und nach mit günstigen, schnelleren Busse besetzt. Fortan wurden unrentable Strecken stillgelegt. Der Abzweig nach Deilinghofen machte 1955 den Anfang, gefolgt von der Kleinbahn im Ihmerter Tal für den Personenverkehr. Der Güterverkehr lief noch einige Jahre weiter. Mit dem Jahreswechsel 1959/60 endete endgültig das Straßenbahnzeitalter zur Personenbeförderung in Hemer, 1964 verließen dann auch die letzten Güterwagen Westig.

Die erste regelmäßige Buslinie Hemer - Fröndenberg wurde 1924 eröffnet. Heute verfügt die Stadt über 12 lokale und regionale Buslinien.

Bahnstrecke

Anschluss an das Schienennetz fand Hemer in den 1880er Jahren, nachdem erste Planungen bereits 20 Jahre zuvor begonnen hatten. 1882 wurde das erste Teilstück zwischen Hemer und Menden fertiggestellt. Drei Jahre später erfolgte der Lückenschluss nach Iserlohn. Dadurch war Hemer sowohl mit der Oberen Ruhrtalbahn, als auch mit der Rhein–Sieg–Bahn verbunden. Neben dem Bahnhof Hemer wurde ein Haltepunkt Oese und ein Bahnhof Westig eingerichtet. Außerdem erhielten einige Firmen eigene Bahnanschlüsse. Eine Verbindung nach Sundwig wurde 1891 geschaffen. Im zweiten Weltkrieg wurde die Hemeraner Station als Verladebahnhof für Kriegsgefangene genutzt, da das Stalag VI A nur einige hundert Meter entfernt lag. Bis 2007 nutzte die Bundeswehr den Bahnhof über den sie Panzer und Lastkraftwagen transportierte.

In den 1970er Jahren ging es mit der Bahn in Hemer bergab. 1975 wurde die Güterverladung in Sundwig und Westig eingestellt. Seine Eigenständigkeit verlor der Hemeraner Bahnhof 1977 und wurde dem Mendener unterstellt. Durch immer weniger Passagiere stand die Stillegung der Strecke ab 1983 zur Debatte. Der letzte Personenzug fuhr schließlich 1989 aus dem Bahnhof Hemer heraus. Mit dem Abzug der Bundeswehr endete auch 2007 die Panzerverladung. Durch den Sturm "Kyrill" wurde die Galgenfrist etwas verschoben. Über Hemer verließen tausende Festmeter Sturmholz die Felsenmeerstadt. Die Vereinbarungen der Holztransporte liefen 2008 aus.

Das Westiger Bahnhofsgebäude wurde 1984 als Denkmal unter Schutz gestellt und ist ein Jahr später in Privatbesitz übergegangen. Der Sundwiger Bahnhof wurde 1977 abgerissen. Das Hemeraner Hauptgebäude wurde 1987 abgebrochen, der restliche Teil des Bahnhofs fiel im Herbst 2009 dem Abbruchbagger zum Opfer. Auf der ehemaligen Bahntrasse steht heute ein Schnellrestaurant.

Die Landesgartenschau Hemer 2010 wurde in dem Zuletzt von der Bundeswehr genutzten Areal der Blücherkaserne angelegt. In den ehemaligen militärisch genutzten Anlagen, die während des zweiten Weltkrieges die Funktion des Kriegsgefangenenlager Stalag VI A hatte, entstand eine blumenreiche, landschaftlich abwechslungsreiche Gartenanlage, mit vielen überraschenden Attraktionen für Jung und Alt. Erleben Sie den Zauber der Verwandlung.

Wir würden uns freuen, möglicht viele Mitglieder bei der MOBA–JHV in Hemer begrüßen zu können.




Foto 1

Die Sundwiger Mühle, die letzte noch im Betrieb
befindliche Wassermühle im Märkischen Kreis.
Foto 2

Die Inneneinrichtung der Sundwiger Mühle
mit den alten Mahlstühlen.
Foto 3

Das Haus Hemer.
Foto 5

Das Naturschutzgebiet "Felsenmeer" ist
100 bis 200 m breit und ca. 700 m lang.
 
Foto 6

Das 1908 gebaute "Altes Amtshaus", war bis in
den 70er Jahren das Rathaus des Amtes Hemer.
Seit 1978 ist dort die Musikschule untergebracht.
Foto 4

Das Stellwerk Westig, ist neben dem
Westiger Bahnhof das letzte Relikt
aus der Eisenbahnzeit in Hemer.
Foto 16

Bilder aus dem Hemeraner Bahnhof:
Die V 221
Foto 17

Bilder aus dem Hemeraner Bahnhof:
BR 212
Foto 18

Bilder aus dem Hemeraner Bahnhof:
Die Prignitzer Eisenbahn
Foto 19

Bilder aus Hemer:
Rückbau der Anlagen im Hemeraner Bahnhof

Text und Fotos: Ursula Reinhard
Wolfgang Ebe

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